Ein Verzicht auf Sportwettenwerbung ist die beste Prävention

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Jetzt hat die Landesmedienanstalt Saarland (LMS) zwei „marktstarken Internet-Casino-Betreibern“ die Werbung für einzelne Angebote untersagt. Um welche Unternehmen es sich handelt, geht aus der Meldung nicht hervor. In der Praxis bedeutet dies, dass beide Anbieter nicht mehr im saarländischen Teil des World Wide Web für „nicht erlaubnisfähiges öffentliches Glücksspiel“ werben dürfen. Zur Begründung verweist die LMS auf eine vorgebliche Zusage Schleswig-Holsteins, für eine Begrenzung der Werbung sorgen zu wollen. Denn die zurückliegenden Wochen und Monate vermitteln den gegenteiligen Eindruck: Bei Privat- und Nischen-Sendern – von N-TV bis Sport1 – läuft mehr TV-Werbung für Online-Casinos denn je.

FAQ zum Tipico Quotenboost

Das ist eine ungeheure Zahl, eine Zahl, die Macht verleiht und Lobbyisten auf den Plan ruft. Das Offensichtliche, das Suchtpotenzial von Sportwetten, wird von Akteuren aus dem Sport wie auch von der Politik kleingeredet. Schön, dass sich nun Burkhard Blienert, der Suchtbeauftragte der Bundesregierung, für einen Werbeverzicht für die Fußball-EM im kommenden Jahre in Deutschland starkmacht. Unschön, dass es nicht dazu kommen wird. Die Mehrheit der Bundesländer wird das aber nicht tun.

Sportwetten: Welche Bevölkerungsgruppe ist besonders anfällig?

Vor allem ein Argument immer wieder vorgeschoben: Wenn wir Werbung für Sportwetten verbieten, was verbieten wir als Nächstes? Werbung für Süßigkeiten?, wie Oliver Kahn vom FC Bayern einmal fragte. Es ist das alte Lied: Bei geforderten Verboten, seien sie noch so sinnvoll, sieht man sich von den Betroffenen schnell dem Vorwurf des Regulierungswahns ausgesetzt. Dabei geht es ihnen vor allem um eines: den Zaster. "Beim Wetten kann ich das Wort sicher mit Sicherheit nicht nehmen.

Vorgaben für Glücksspielwerbung

Sicher ist was anderes, aber nicht beim Wetten", erklärte Borowka. Außerdem kritisiert Borowka Äußerungen von Kahn, in denen er das Unternehmen "Tipico" als Teil der "Spielkultur" im Fußball bezeichnete. Es werde Zeit, so Kahn, "dass auch jetzt hier in Deutschland Millionen Sportfans ihr Sportwissen auch nutzen können und Wetten platzieren können und dabei einfach Spaß haben können". Borowka sagte dazu: "Wenn Zocken in dem Sinne gerade eben zur Kultur in Deutschland gehört, dann verstehe ich die Welt nicht mehr. Das sind auch Aussagen, die finde ich komplett falsch. Die LMS sorgt sich insbesondere um Kinder und Jugendliche, zumal die Werbung zu allen Tageszeiten geschaltet wird. „Die LMS hat sich daher entschlossen, Schritte zu ergreifen, damit über schleswig-holsteinische Alleingänge unter der Geltung des aktuellen Glücksspielstaatsvertrages nicht das Ziel der Glücksspielsuchtbekämpfung gerade auch in Corona-Zeiten massiv gefährdet wird“, kündigt LMS-Direktorin Ruth Meyer an. Die Bundesländer haben sich auf einen neuen Glücksspiel-Staatsvertrag verständigt, der im kommenden Jahr in Kraft treten soll und just die beanstandete Werbung für Online-Poker und -Casinos bundesweit zulässt.

🔀 Tipico Geschichte

Juni 2020: „Dieses Angebot gilt nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein“ – es ist just dieses Kleingedruckte, das ein Dutzend Online-Casino-Anbieter wie Hyperino, Wunderino & Co. dazu ermächtigt, breitflächig im Fernsehen für bet beste wetten app in deutschland Glücksspiel-Portale zu werben. Mit solchen Lizenzen bildet das nördlichste Bundesland weiterhin eine Ausnahme – andere Bundesländer reagieren zunehmend gereizt auf diesen Sonderweg. Die Drähte in die Glücksspiel-Industrie sind so intensiv, dass die Heimstätte von Handballmeister THW Kiel ab 1. Juli den Namen „Wunderino-Arena“ trägt. Allerdings sieht das neue Regelwerk auch Werbebeschränkungen sowie Auflagen zur Suchtprävention vor, beispielsweise Einzahlungs-Limits.

Dem politischen Druck haben sich offenbar bereits marktführende Zahlungsdienstleister gebeugt: Nach einem NDR-Bericht hat Kreditkartenanbieter Visa seine Partnerbanken angewiesen, dass sie keine Zahlungen für illegale Online-Casinos mehr abwickeln dürfen. Das federführende niedersächsische Innenministerium ist laut NDR mit 20 Dienstleistern im Gespräch.

Update vom 20. April 2020: Dürfen Spielhallen während der Corona-Krise öffnen? Nein, hat das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht in der vergangenen Woche entschieden. Weil Spielotheken geschlossen bleiben müssen, intensivieren Online-Casinos spürbar die TV- und Online-Werbung. Besonders umtriebig: Mr Green, DrückGlück und Megapixel Entertainment, das in Deutschland unter den Marken „Wunderino“ und „Hyperino“ auftritt. Besonders aggressiv wird derzeit für Hyperino geworden: Scooter-Frontmann H. P. Baxxter trommelt für die Website mit dem Slogan „Dein Casino ohne Schnickschnack“.

Analog zu anderen Angeboten lockt Hyperino mit Freispielen. Wenngleich bundesweit geworben wird, gilt das Angebot vorgeblich „nur für Personen mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthaltsort in Schleswig-Holstein“.

Hintergrund dieser wundersamen Floskel: Schleswig-Holstein ist das einzige Bundesland, das bis auf Weiteres Online-Glücksspiel-Genehmigungen erteilt. Zwölf Anbieter besitzen derzeit eine solche Lizenz. Abgesehen von dieser Ausnahme ist Online-Glücksspiel in Deutschland grundsätzlich illegal. Fundamentale Fortschritte mit Blick auf Spielerschutz, Suchtprävention und nicht zuletzt Steuereinnahmen versprechen sich Branche und Bundesländer von einer Reform des zugrundeliegenden Glücksspiel-Staatsvertrags, der allerdings erst Mitte 2021 in Kraft treten soll. Update vom 22. Januar 2020: Laut dpa haben sich die Bundesländer auf eine Reform des Glücksspiel-Staatsvertrags verständigt. Was sich konkret ändert (und zwar bundesweit), erfahren Sie in dieser Zusammenfassung. Update vom 5. Dezember 2019: Kaum eine Woche vergeht, ohne dass neue Anbieter von Casino-Portalen mit flächendeckender TV-Werbung aggressiv um Kunden buhlen. Neu auf dem Markt ist zum Beispiel Wildz: Analog zu anderen Betreibern wird im Werbespot Domain Wildz.de beworben – dort sind ausschließlich kostenlose, anmeldefreie Spiele ohne Geldeinsatz zu finden.

Person/Figur Rolle in der Werbung Zeitraum Ziel der Nutzung
"Der Tipico-Mann" (Schauspieler) Sympathischer Markenbotschafter ~2010-2016 Vertrauensaufbau, Wiedererkennung
Basti Schweinsteiger (Fußballer) Testimonial für Kampagne 2017-2019 Glaubwürdigkeit, Sportkompetenz
Alltagsmenschen (Diverse) Protagonisten in Spots 2020-heute Identifikation, Normalisierung
Sportkommentatoren (Stimmen) Voice-Over in Werbevideos durchgehend Authentizität, Sportsound

Die Website wird von einem Unternehmen mit Sitz in Gibraltar betrieben.

Vereine werben für illegale Angebote

Die finde ich absolut falsch, weil ich sage: Da werden Menschen motiviert zum Zocken, auch dahin gelockt zum Zocken. Ich würde mich für so etwas nicht hergeben. Borowka war früher selbst alkohol-, medikamenten- und spielsüchtig. Inzwischen ist er therapiert und unterstützt mit seinem Verein "Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e. Die „wunderbare Casino-Welt“ von Anbietern wie Wunderino, Hyperino oder DrückGlück richtet sich nur an Glücksspieler in Schleswig-Holstein – soweit die Theorie.

Du willst etwas bewirken?

Update vom 24. Juni 2020: Hamburg macht Ernst: Die Innenbehörde der Hansestadt hat nach Recherchen von NDR und Süddeutscher Zeitung eine Strafanzeige gegen die Sportwetten-Riesen Tipico, Bwin und Bet3000 gestellt. Auf Anfrage habe die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigt, dass diese Anzeigen derzeit geprüft werden. Im Raum steht die „unerlaubte Veranstaltung eines Glücksspiels“ – konkret: die Online-Casino-Angebote auf den Websites der drei Unternehmen, darunter Roulette, Poker, Black-Jack und Spielautomaten. Bwin ist unter anderem Partner von Borussia Dortmund und des Deutschen Fußballbunds (DFB) – Tipico ist langjähriger Sponsor des FC Bayern München: Vorstand Oliver Kahn wirbt für den Anbieter in TV-Spots.

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Auf NDR-Anfrage halten sowohl Bwin als auch Tipico an der Einschätzung fest, dass der bislang geltende Glücksspiel-Staatsvertrag gegen Europarecht verstoße. Bis zum Inkrafttreten der Glücksspiel-Reform vergeht noch ein gutes Jahr. Mehrere Bundesländer plädieren dafür, Gesetzesverstöße bis auf Weiteres zu dulden – Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Baden-Württemberg sind strikt dagegen, ebenso Suchtberatungsstellen und die Bundesdrogenbeauftrage Daniela Ludwig (CSU). Update vom 19. Juni 2020: Unter den Bundesländern tobt ein Streit um die vorläufige „Duldung“ von Online-Casinos. Gleichzeitig bewirbt der Spot mit dem tanzenden Gorilla natürlich auch die Marke „Wildz“. Wer stumpf nach „Wildz“ googelt, wird schon auf der ersten Treffer-Seite fast ausschließlich auf die zugehörigen .com-Domains verwiesen – inklusive klassischer Spielautomaten, Roulette, Blackjack und so weiter. Auf der Startseite des deutschsprachigen Portals werden Freispiele und Boni für die Ersteinzahlung angepriesen. Weil die .com-Portale der maltesischen Glücksspiel-Aufsicht unterliegen, haben die deutschen Behörden keine Handhabe. Online-Glücksspiel ist in Deutschland illegal – einzig Schleswig-Holstein erteilt Lizenzen, die allerdings nur für Bewohner dieses Bundeslands gelten.

Anteil der Sportwetten-Süchtigen steigt

Nach NDR-Recherchen setzen sich insbesondere Hessen und Sachsen dafür ein, Angebote ohne Lizenz bis auf Weiteres nicht juristisch zu belangen. Hintergrund: Für das kommende Jahr ist das Inkrafttreten des neuen Glücksspiel-Staatsvertrags geplant, der den Marktzutritt und die Werbung neu regelt. Bislang ist Online-Glücksspiel in Deutschland verboten: Zwölf Anbieter berufen sich auf eine umstrittene Lizenz des Landes Schleswig-Holstein (siehe nachfolgende Einträge). Strikt gegen ein solches Moratorium haben sich Bundesländer wie Hamburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg ausgesprochen. Auf NDR-Anfrage betont zum Beispiel das Land Bremen, dass es keinen Anlass für eine vorläufige Duldung gebe, da Glücksspiel mit hoher Suchtgefahr verbunden sei.

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Kritik an der Aussetzung der Strafverfolgung kommt auch vom Fachverband Glücksspielsucht. Der Plan von Hessen und Sachsen sei „weder aus suchtpolitischer noch aus rechtsstaatlicher Perspektive nachvollziehbar“ – dadurch werde das Vertrauen in den Rechtsstaat untergraben. Der Verband fordert Gesetzestreue von Marktteilnehmern, die sich im nächsten Jahr um die neue Lizenz bewerben wollen. Aus Sicht der Bundesdrogenbeauftragten Daniela Ludwig (CSU) ist die Duldung von illegalem Glücksspiel „absolut inakzeptabel“. Update vom 10. Dies ist auch der Grund, warum Anbieter wie Wunderino oder DrückGlück in ihren bundesweit ausgestrahlten TV-Spots auf diese Einschränkung hinweisen (müssen). Update vom 4. Dezember 2019: Geht es nach den Vorstellungen der Bundesländer, soll der Online-Glücksspielmarkt komplett unter staatliche Aufsicht gestellt werden.